#orangelounge

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Mit den Duisburger Philharmonikern entwickelte ich ein Konzept namens Orange Lounge. Eine Genre übergreifende Synergie aus klassischen und elektonischen Klängen, die auch junge Erwachsene an die wunderbare Welt der Kassik heran führt. Zwei Veranstaltungen fanden unter dem Dach des Hundertmeister statt: ein Konzert im Rahmen der Playlist  und der Start eines Electronica Dance Event namens Orange Lounge. Die Werbung lief hauptsächlich über Social Media Marketing und setzte nur marginal Print- Medien ein. Resultat war ein ausverkauftes Playlist Konzert und eine dem Kulturhauptstadtjahr adäquate Reihe von Dance Events. Frank Tentler, Sponsor der Orange Lounge, berichtete darüber in seinem Echtzeitgeist Blog Aus dem Nichts gibt es erstmal nur einen Rhythmus, den Kai Schumacher auf den Deckel des Flügels klopft. Wenig später ist dieser von Max Heesen aufgenommen worden und bildet die Basis für die weitere Entwicklung des Stücks „Raveloaded“. Ein Stück, dass es in dieser Form nur an diesem Abend zu hören geben wird und was beweist, dass zwei unterschiedliche Genres – nämlich Klassik und Electronik – sich gegenseitig befruchten können. Das Interesse an diesem einzigartigem Abend ist sehr groß, das Konzert ist komplett ausverkauft. Und der Internetlivestream mit 1000 Zuschauern, die sich einschalten, sehr gut besucht. Der Abend beginnt verhalten und ruhig: „1981“ von Lepo Sumera erklingt – getragen und meditatorisch schwingt hier der Flügel aus. Das ändert sich als zu Kai Schumacher Matthias Bruns dazu tritt. Unser Stimmführer der zweiten Geigen scheint zuerst am ruhigen Klangbild nichts zu ändern – bis dann unversehen wilde Läufe und Rhythmen hereinbrechen, die eher an Rock-Musik als an klassische Melodienführung erinnern. Teilweise ist Marc Mellits „Spin“ auch von der Minimal Music beeinflusst – und diesen Einfluss spiegeln die zahlreichen um sich kreisenden Läufe wieder. Ruhe und Anstrengung wechseln sich bei diesem Stück ab.

Dann: „The Body of your Dreams“ – Jacob TV. Zuerst sind da Sprachsample. Sample eines billigen amerikanischen Werbespots für ein Produkt, mit dem man ohne zu schwitzen und ohne große Anstrengungen genau das erreichen soll was der Titel des Stücks verspricht – den Körper der eigenen Träume nämlich. Ironisch schichtet Jacob TV Sprachebenen übereinander, arbeitet das Komische dieses Werbespots heraus und kommentiert ihn durch das Klavier, dass sich an die Sprachmelodie der Samples hält. Zusammen mit den Lichteffekten ergibt dies aber zugleich auch eine kritische Reflektion über die Vorstellungen, die man vom eigenen Traumkörper hat. Muss dieser genau so aussehen wie ihn die Werbung verspricht? Was für eine Vorstellung haben wir in unserer Kultur vom Körper an sich? Kann ein Traumkörper denn so einfach erreicht werden wie die Werbung es uns vorgaukelt? Ohne Schwitzen?

Keith Kirchhoff beschreibt sein Stück „The Adventures of Norby“ als sehr visuell. Tatsächlich ist es das auch: Kai Schumacher greift hier in die Saiten des Flügels um diese zupfend zum Klingen zu bringen, benutzt Schlegel, die eigentlich eher ein Percussionist gebraucht und hämmert zudem auf den zugeklappten Deckel. Norby, ein Roboter aus den Geschichten von Isaac Asimov, erlebt dabei keine zusammenhängenden Abenteuer – vielmehr sind es Klangeindrücke, Nachhälle von den Geschichten die Kirchhoff als Kind gelesen hat. Teilweise sehr sphärisch und fern, vor dem inneren Auge funkeln die Sterne in einer klaren Nacht, dann wiederum scheinen Raumschiffe wilde Schlachten gegeneinander auszufechten. Dichte Klangkollisionen. Metallknirschen.

Der „Spiegel im Spiegel“ zusammen mit Kai Schumacher und Matthias Bruns wiederum bringt weite Klangflächen – die Violine schwebt ruhig über dem begleitenden Flügel hinweg. Arvo Pärts Musik hat etwas Meditatives, wenngleich sich der Titel auch nicht erschließt. Was spiegelt sich hier in wem? Die Melodien der Violine im Klavier? Aber wenn sich Spiegel gegenseitig spiegeln, dann ist da ja kein Bild, was sich spiegeln könnte. Ein wenig Geheimnis und Rätselhaftigkeit verweht mit den letzten Klängen des Stücks.

Dann pulsiert es im Klavier. Ein fast durchgehender Rhythmus in der linken Hand legt das Fundament für das Stück „Beat“ von Gerard Beljon. Ein Stück, bei dem Kai Schumacher diverse Male die Hände überkreuzen muss – die linke Hand geht bei dieser Technik über die rechte, was für einen Klavierspieler eigentlich immer etwas unangenehm ist – zudem nutzt das Stück die ganze Klangbreite des Flügels.

Der Höhepunkt des Abends – für den Kai Schumacher für 10 Minuten um absolute Ruhe bittet, da jede Störung auf den Samples selbst später zu hören sein würde – deutet dann schon auf die anschließende Orange-Lounge-Party: DJ Max Heesen unterlegt einerseits die Flügelklänge mit elektronischen Beats, manchmal blendet er die klassischen Elemente auch vollständig aus, dann wiederum tritt der Flügel in den Vordergrund; es entsteht eine Melange, die einen in den Bann zieht. Was hier Klassik, was hier elektronische Musik ist lässt sich gar nicht mehr entscheiden, innovativ spinnen beide Musiker improvisierend ein Stück, das Lust auf mehr macht. Bei dem anschließenden raketen artigen Start der ersten „Orange Lounge“-Party konnten die Besucher des Konzerts dann zu housigen Rythmen von DJ Langenberg aka Max Heesen bis in den frühen Morgen tanzen.  Selten waren Konzert und Party so eng miteinander verzahnt.

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